Reiseführer

Rezension zweier Reiseführer für Goa

Christian Honig rezensiert exklusiv für IGSG zwei Reiseführer, die über Goa schreiben.

                

Reiseführer für Goa

Wer sich an die Planung seiner Reise nach Goa macht, steht schnell vor der Entscheidung für den richtigen Reiseführer. Die Zeit der Vorbereitung und Planung ist für viele eine spannende Phase, in der die Vorfreude auf die Reise und die anstehenden Abenteuer wächst und die noch verbleibende Zeit bis zum Abflug verkürzt wird. Leider merkt man erst beim Reisen, ob sich ein Führer als gut erweist. Nämlich dann, wenn man die empfohlenen Geheimtipps aufsucht, die schließlich das Interesse geweckt haben und die Erwartung haben steigen lassen.

Auf meinen Reisen während der letzten 18 Jahre war ich meist als Individualreisender unterwegs und habe mich fast ausschließlich des englischsprachigen Lonely Planet oder eines deutschsprachigen Reiseführers des Loose-Verlags bedient. Im Folgenden versuche ich, eine kleine Gegenüberstellung am Beispiel des indischen Bundesstaats Goa darzulegen. Die Grundlage dieses Vergleichs bilden die Inhalte des Lonely Planets "Goa & Mumbai" und die des Loose-Verlags mit dem Titel "Indien, der Süden" (beide erschienen im Jahr 2012).

Beide Reiseführer ähneln sich in den Basisinhalten wie praktische Alltagstipps, Informationen zur Fortbewegung, zu Reisezeiten, Land und Leute, Kultur und Natur. Für die Reisevorbereitung kann man sich mit großer Freude einlesen. Man erfährt, was man unbedingt im Gepäck haben sollte und was nicht, welche Impfungen notwendig sind, wie man das Visum bekommt, ebenso was zu beachten ist, wenn man alleine als Frau oder mit Kindern reist.

Während man beim Loose-Führer die Reiseempfehlungen auf einer halben Seite kurz skizziert vorfindet, verliert sich der Lonely Planet auf 6 Seiten in den 10-Top-Experiencies mit ausführlicheren Beschreibungen und Farbfotos. Weiter hinten gibt er Routenvorschläge für Reisende mit Zeitbudget von 10 Tagen, 2 oder 4 Wochen.

Der Lonely Planet beginnt jedes Kapitel mit einer kleinen Übersicht über den Inhalt der folgenden Seiten und erspart dem Leser das lange Suchen. Hier ist er gegenüber dem Loose etwas übersichtlicher. Schon auf der ersten Seite des Kapitels zu Panaji & Central Goa (Die Hauptstadt und seine Umgebung) werden Best Places to Eat und Best Places to Stay mit Seitenangaben aufgelistet. Die Beschreibungen der Unterkünfte sind bei beiden inhaltlich ähnlich. In einigen Touristenorten gibt der Lonely Planet drei Mal so viele Unterkünfte an wie der Loose, an anderen Orten ist es umgekehrt.

Zu den beschriebenen Städten und Stränden gibt es wichtige Informationen über An- und Weiterreisemöglichkeiten. Mit Taxi, Bus, Eisenbahn oder auch wenn möglich per Flugzeug. Auffällig ist hier, dass der Lonely Planet ungefähre Preisangaben liefert und insgesamt umfangreichere und detailliertere Informationen gibt.

Die Übersichtskarten und Stadtpläne sind vergleichbar. Zu erwähnen ist, dass sich in der indischen Stadtplanung nicht wirklich europäische Denkstrukturen widerspiegeln und die Orientierung einem häufig schwer fällt. Zudem sind Touristenzentren am Strand einer ständigen Veränderung und Vergrößerung ausgesetzt, was dazu führt, dass Karten schnell nicht mehr aktuell sind.

Der Loose-Reiseführer ist eine deutschsprachige Übersetzung des englischsprachigen Rough Guide. Er wurde – so erscheint es mir – nicht einfach nur übersetzt, sondern auch auf das deutschsprachige Publikum und seine Interessen zugeschnitten. Der Lonely Planet erwähnt zum Beispiel, wo es the coolest beer in town gibt, vergisst aber auf die wichtigsten does and don´ts hinzuweisen. Auf die Vermittlung von interkultureller Kompetenz legt der Loose mehr Wert. Hier gibt er Verhaltenstipps, die sich aus den kulturellen Unterschieden ergeben (Essen, religiöse Stätten, Kleidung, persönliche Kontakte, weiter Fettnäpfchen).

Damit das Lesen des Lonely Planet Spaß macht und man den Inhalt (vor allem in den Kapiteln Politik, Natur, Gesellschaft) voll erschließen kann, sollte man sehr gute Englischkenntnisse mitbringen.

Beide Reiseführer sind für die Individualreise geeignet. Es stellen sich die Grundsatzfragen, was ein Reiseführer leisten muss, welche Informationen er geben sollte und welche nicht, und welche Verantwortung er gegenüber dem Land, der Natur und seinen Leuten hat. Der Lonely Planet wird von sehr vielen Rucksacktouristen als die „Reisebibel“ gesehen, ohne die sich mancher gar nicht aus seiner Unterkunft traut. Braucht man wirklich die Informationen über „where to stay“ und „where to eat“ wenn man sich selbst den Herausforderungen einer Individualreise stellen möchte? Ist der Geheimtipp wirklich noch so geheim, wenn er in einem Reiseführer erwähnt wird?

Der Lonely Planet erscheint in einer großen Auflage in 14 verschiedenen Sprachen. Auf meinen Reisen habe ich persönlich festgestellt, dass die empfohlenen Restaurants und Hotels sehr oft überlaufen sind und die Qualität des Services schnell nachlässt. Hier sollte man sich auch bewusst machen, dass man sein Geld als „Geldmitbringer“ aus dem reichen Westen oft in die Geldbeutel von Auslandsinvestoren (von gut laufenden Restaurants und großen Hotels) wandern lässt. Bei einem Land, in dem viele Leute nur 50 € im Monat verdienen, kann ich jedem nur empfehlen, sein Geld zu streuen und sich auf seine Nase bei der Auswahl eines Restaurants zu verlassen. Dort wo Einheimische essen, ist es in der Regel lecker, gut und preisgünstig. Zudem sollte man auch Hotels, die (noch) nicht im Reiseführer erwähnt sind, auch eine Chance geben. Vielleicht fehlt es hier manchen Reisenden etwas an Mut und Abenteuerlust.

Zurück zu den beiden Reiseführern. Es sind beide sehr gut recherchierte Bücher, die sich in Qualität und Umfang der Informationen nicht viel schenken und sich sowohl für die Individualreise als auch für eine geführte Reise eignen.

Wichtiger finde ich den richtigen Umgang mit dem Führer und dass man erkennt, wann der Zeitpunkt gekommen ist, ihn einfach beiseite zu legen, um Goa mit Augen, Ohren und Nase wirklich zu entdecken.

   Christian Honig, März 2013

 

Lonely Planet Goa & Mumbai

Edition: 6th Edition, Jul 2012
Next edition due: Jul 2015
ISBN: 9781741797787
Authors: Amelia Thomas

 

Stefan Loose Travel Handbuch Indien – Der Süden

5. vollständig überarbeitete Auflage 2012
Autor: David Abram, Nick Edwards, Mike Ford, Shafik Meghji, Devdan Sen, Gavin Thomas
ISBN: 978-3-7701-6708-1
Erscheinungsdatum: 2012
Verlag: DuMont Reiseverlag

 

English

 

 

 
HOME
NEUIGKEITEN
KULTUR UND GESELLSCHAFT
IGSG KULTURWOCHEN
SPRACHKURSE
MEDIA
WIRTSCHAFT
ÜBER GOA
WICHTIGE ADRESSEN UND LINKS
ÜBER UNS
KONTAKT