Goa is not India

Dokumentarfilm des österreichischen Filmemachers
Rudolf Gottsberger


Exklusiv-Interview

Synopsis

Inhalt

Exklusiv-Interview
mit Rudolf Gottsberger für die IGSG

1 - Herr Gottsberger, Sie haben in Ihrem Film "Goa is not India" Goa durch die Perspektive von fünf AussteigerInnen, die in Arambol gestrandet sind, dargestellt. Welches ist Ihre persönliche Perspektive von Goa?

Ich habe in den vier Wochen Drehzeit nur einen sehr kleinen Einblick bekommen, wie Goa wirklich ist.

Mein Hauptaugenmerk in diesem Film liegt auch in den Protagonisten, die sich diesen Ort als Lebensmittelpunkt oder als Ort der Erholung aussuchen. Die sogenannten Westler werden portraitiert.

Ich habe versucht, mich diesem Ort mit einer gewissen Jungfräulichkeit zu nähern. Ich war vorher noch nie in Goa, somit war ich sehr unvoreingenommen. Ich hörte im Vorhinein einiges über diesen Ort, wollte mir aber mein eigenes Bild machen.

Ich habe Goa als einen sehr interessanten und ambivalenten Ort erlebt. Einerseits gibt es dort den Massenpartytourismus mit allen negativen Facetten. Andererseits gibt es auch Ruhepole an denen der Tourismus-Stress vorübergeht, obwohl auch nicht wenig Menschen dort sind und eine gewisse Geschäftigkeit herrscht.

Der Müll, der überall herumliegt, hat mich erschüttert und hat deshalb auch ein eigenes Kapitel in meinem Film bekommen. Es gab zum Zeitpunkt meiner Reise keine Müllabfuhr in Nord-Goa. In Arambol und Umgebung verbrennt jeder seinen Müll auf der Strasse und im Garten, und das im reichsten Bundesstaat Indiens.

Ich glaube, Goa wird sich weiter verändern. Arambol z.B. wird auch meiner Meinung nach stark kommerzialisiert werden. Wenn die Brücke von Maharashtra über den Tiracol-Fluss fertig bzw. eingeweiht ist, wird dieser kleine noch etwas verschlafene Ort zu einer touristischen Stadt mit Hotelketten werden und allem was dazugehört.

Nach meinem Film „Goa is not India", der nur die Westler in Goa portraitiert, würde ich eigentlich gerne auch einen „Goa is not India 2" machen, der die Sichtweise der einheimischen Bevölkerung beleuchtet und aufzeigt, wie die Inder die „longterm stayers" und die westlichen Touristen sehen.

2- Von den sogenannten Westlern, die im Film portraitiert werden, kommen fünf aus Russland, einer ist Österreicher und einer Schweizer. Tickt die russische Seele in Arambol stärker?

Diese Frage kann ich schwer beantworten, aber ich glaube, dass der Anteil an Russen in Goa verhältnismässig hoch ist. Das mag vielleicht zum einen daran liegen, dass Ägypten durch die Revolution an Attraktivität verloren hat, zum anderen fliegt die Aeroflot regelmässig nach Goa. Auch die niedrigen Preise sind für die Russen sicherlich interessant.

Also im großen und ganzen gibt es wohl auch mehr Russen in Arambol als Menschen aus anderen Ländern.

3 - AussteigerInnen von den sogenannten westlichen Ländern gibt es überall auf der Welt. Warum haben Sie gerade die in Goa lebenden ausgewählt, um sie zu portraitieren?

Goa hat mich zum einen aus historischen Gründen interessiert, es war einer der Bundesstaaten Indiens der von Portugiesen besetzt war, zum anderen aufgrund der Hippie-Kultur, die sich in den 60ern dort gebildet hat. Außerdem verbringt ein guter Freund von mir regelmässig den europäischen Winter in Goa. Da hatte ich jemanden Ortskundigen, und das war gut. Ich finde, es hat sich gelohnt, Goa, in diesem Fall Arambol, auszusuchen, da es ein sehr besonderer Ort ist und eine spezielle Aura hat.

4 - Wie Sie vielleicht wissen, haben Russen und Israelis in Nordgoa, wie zum Beispiel in Arambol und Morjim, eine Art von Enclaven gebildet, wo sie praktisch isoliert von der restlichen Bevölkerung leben. Haben Sie diese Realität bei den in Ihrem Film porträtierten Personen bemerkt?

Ich glaube, dass es immer so ist, dass Menschen im Ausland sich eher mit Landsleuten zusammentun, da die gemeinsame Kultur und die gemeinsame Sprache das Leben in der Fremde erleichtern. Man kann Erfahrungen austauschen und lernt unter Umständen auch viel von den Landsleuten, die schon länger dort leben.

Aber je weniger die Westler auf die Menschen in Goa zugehen desto weniger spüren sie den Geist der Menschen, in deren Gebiet sie leben. Man ist zwar im Ausland lernt aber die andere Kultur nicht kennen, da man unter Seinesgleichen ist.

Dass sich strikte Enklaven in Arambol gebildet haben, ist mir vielleicht nicht so stark aufgefallen, da ich auch schon in der Nachsaison in Goa war. Aber es stimmt schon, dass z.B. Russen zum Teil eher unter sich bleiben.

5 -  Die Überfremdung Goas durch die sogenannten "Outsiders", also die Inder von ausserhalb Goas, sowie durch die Ausländer-Enklavenbildung besonders in Morjim und Arambol hat neulich den goanesischen Musiker Remo Fernandes, der führend in der Englischsprachigen Rockmusik Indiens ist, zu der Äusserung geführt, dass er sich als Tourist im eigenen Land (Goa) fühlt. Wäre es nicht geeigneter gewesen, wenn Sie Ihren Film "Arambol is not Goa" betitelt hätten?

Ich denke nicht, dass dieser Titel passender gewesen wäre. Niemand außerhalb Indiens weiss, wo Arambol ist. Und es geht in meinem Film nicht nur um Arambol im speziellen. Für mich, „Goa is not India“, weil Goa von Portugiesen besetzt war, weil Goa der reichste Bundesstaat Indiens ist, weil es in Goa so etwas wie Enklavenbildung unter Ausländern gibt, weil manche Hippies in den 60ern hier ein neues Zuhause gefunden haben und weil das Leben in Goa, auch durch die starke „Überfremdung“ (obwohl dieses Wort sehr negativ klingt) einen speziellen Charakter besitzt. Remo Fernandes hat sicherlich einen viel besseren Einblick in die vielen Problematiken, die es in seinem Land gibt als ich, schliesslich ist er Goaner und lebt in Siolim. Ich habe nur ein kleines Panoptikum geschaffen, in dem mit einem gewissen Augenzwinkern Menschen portraitiert werden, die in Goa etwas Spezielles gefunden haben und sich dort wohl fühlen.

Goa is not India
Dokumentarfilm des österreichischen Filmemachers
Rudolf Gottsberger
57 Minuten, 2012

Trailer: http://vimeo.com/43758439

Homepage: http://www.studiorot.at

http://www.goaisnotindia.com

Die DVD kann unter RUDI@STUDIOROT.AT bestellt werden. Der Preis beträgt 10.- € exklusive Versandkosten.

 

“GOA IS NOT INDIA” hatte die Premiere am 28.9.2012 in Wien im Breiteseer Lichtspiele (der älteste Kinobetrieb der Welt).

 Synopsis

"Goa is not India", sagt der Aussteiger Leon über das verträumte Nest Arambol am Strand von Goa – einem Ort, der vielen als "hippiesker Mythos" bekannt ist. Vor den erstaunten Augen der Einheimischen reitet seine Braut wie eine Prinzessin auf einem geschmückten weißen Pferd zur 7-tägigen jüdischen Hochzeit.

Mit einer guten Portion Augenzwinkern entwirft der österreichische Filmemacher Rudolf Gottsberger ein liebevolles Portrait von fünf AussteigerInnen, die in Arambol gestrandet sind. Es ist ein Panoptikum an Träumen, Wünschen und Sehnsüchten, manchmal sogar nach spiritueller Erleuchtung. Beleuchtet werden aber auch die kleinen und großen Herausforderungen des alltäglichen Lebens, die die ProtagonistInnen bewältigen müssen... um dann einfach wieder "Shanti Times" zu genießen, wie Elena, die russische Besitzerin des Hempcafés schildert.

Inhalt

Der Kärntner Aussteiger Ingo, der nach dem Tod seiner Mutter Österreich den Rücken gekehrt hat, nimmt uns mit auf die Märkte von Arpora und Anjuna. Er zeigt uns das geschäftige Treiben und demonstriert, was alle – Einheimische wie TouristInnen – mit ihrem Hausmüll machen: im Straßengraben abfackeln.

"Goa is not India", sagt der Aussteiger Leon über das verträumte Nest Arambol am Strand von Nord- Goa. Seine Braut reitet vor den staunenden Augen der Einheimischen wie eine Prinzessin auf einem weißen geschmückten Pferd zur 7-tägigen jüdischen Hochzeit. Über das traditionelle Gebetstuch, das von vier Hochzeitsgästen über das Brautpaar gehalten wird, sagt Leon: "We bought it from a guy called Mohammed at a Muslim shop, but it looked excellently jewish."

Elena, die junge russische Besitzerin eines Hempcafés weiß, was die AbenteuerInnen in Arambol suchen: "You can find company, you can find loneliness." Derzeit wird an einer Brücke gearbeitet, die Arambol mit einem Flughafen in Maharashdra verbinden soll und die Gegend verändern wird. Dieser wird erst in 10-15 Jahren fertig gebaut sein, meint die Protagonistin, also haben alle in Arambol noch genug Zeit für "Shanti Times".

Und in Arambol ticken die Uhren wirklich noch anders: Die beiden Russinnen Maya und Tanhit verbringen die Tage mit Tantra-Meditation und Mandala-Tanz nach der Tradition des alten indischen Tempeltanzes. Seit Maya sich damit von einer schweren Krankheit selbst geheilt hat, bringen sie die erlernten Techniken anderen Frauen bei: "So mainly divine energy coming in this moment..."

Seine eigenen Glücksmomente findet der Schweizer Thierry auf dem Rücken seines voll bepackten Motorrades. In Arambol tankt er neue Kräfte für seine Weltreise, die ihn zehn Jahr lang durch alle Kontinente führen wird. Thierry bangt um sein Leben wegen des halsbrecherischen Verkehrs in Indien. Über Probleme während der Reise weiß er allerdings: "Es gibt immer eine Lösung. Die Leute helfen von Herzen gern. Man ist nie allein."

Mit Hilfe seiner ProtagonistInnen eröffnet der österreichische Filmemacher Rudolf Gottsberger einen Blick auf den Mikrokosmos von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Ziele, die eines gemein haben: Arambol, dem Ort, an dem sie leben, arbeiten, urlauben, träumen. Wir sehen Goa aus ihrer Perspektive – im Hier und Jetzt – ohne einem verklärten Blick zu verfallen... Goa is not India...


Alyana im Brautkleid


Leon und Alyana


Elena


Die Russinnen Maya und Tanhit


Mandala dance


Der Schweizer Thierry mit Soldaten

 

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